Guter Umgang mit schlechten Diagnosen

Trauern ja, Jammern nein

Ja, manchmal ist das Leben zum Heulen. Dann muss der ganze Frust raus und die Ungerechtigkeit ist einfach zu viel. Das kann auch sehr befreiend sein, und wenn man trauern muss, dann muss man eben trauern. Dies ist ja auch eine sehr wichtige Phase. Sportler kennen die Trauer als ein normales Zeichen des Körpers, dass jetzt eine Pause fällig ist. So leicht ich das hier auch so runterschreibe, muss ich an dieser Stelle gestehen, dass ich hieran wirklich noch arbeite. Zu oft noch suhle ich mich in meiner Trauer, meinem Leid. Ich weiß aber mittlerweile, dass Trauer auf der einen Seite ein wertvolles Zeichen des Körpers ist, dass man erst einmal annehmen sollte. Auf der anderen Seite kenne ich aber nur zu gut die Spiralen, die negative Gedanken mit sich bringen.

Insofern habe ich mit den Jahren eine sehr feine Antenne entwickelt, um notwendige Trauer von schädlichen negativen Gedanken trennen zu können. Zweifel am Erfolg, Frust,  Müdigkeit, Hoffnungslosigkeit. Diese Phasen haben aber nirgendwo hingeführt. Ich habe die düstersten Szenarien gemalt und mich daran selber weiter hinabgezogen. Meine  Erfahrung ist deshalb, dass man bestimmte Gedanken sofort mit aller Macht bekämpfen sollte, weil sie in eine gefährlich dunkle Spirale führen, aus der man nur schwer wieder  rauskommt. Diese Momente sind nämlich gar nicht befreiend, sondern belastend. Das Gegenmittel ist bestimmt nicht stumpfe Ablenkung oder irgendeine Gute-Laune-Maßnahme. Das Gegenmittel ist: sich selbst wieder rausziehen! Das kann jeder lernen. Ja, man kann sich wirklich selber aus dem Sumpf ziehen. Vielleicht ist das zu Anfang noch schwer, aber es wird leichter. Mir haben vor allem Sporttrainer geholfen, die verhindern wollten, dass ich mich gehen ließ.

„Du wirst den Kopf nicht hängen lassen! Das gibt‘s nicht!“ (Jochen W., TaiJi Trainer)

Noch bevor ich die genaue Diagnose wusste, habe ich mich auf die Suche nach einem TaiJi-Lehrer gemacht und fand die Bailung e.V. von Jochen W. Zu meinem Glück war er aber nicht nur TaiJi-Trainier, sondern auch Physiotherapeut. Von da an sahen wir uns jede Woche drei Mal. In der allerersten Stunde musste ich auf dem Trampolin hüpfen! Das war so ungefähr das Letzte, was ich mir hätte vorstellen können. Ich war eher wieder auf 20 Minuten Katzenbuckel eingestellt. Das Verrückte aber war: Es ging.  Jedenfalls so einigermaßen und war damit unfassbar viel mehr, als ich mir je hätte erträumen lassen. Danach bin ich natürlich wie auf Wolken nach Hause geschwebt. Jetzt schien alles möglich. Mein Tipp ist, sich jemanden zu besorgen, der einem mit Wucht in den Hintern tritt und einfach über die Schwelle schubst, bei der der ganze Körper sagt: „Vergiss es, das wird nie was!“ Oft geht es auch darum, den Schockmoment einfach zu überspringen. Ich bin nur aufs Trampolin, weil Jochen gar nicht erst mit sich hat diskutieren lassen und ich stand drauf, bevor ich es gemerkt habe. In einer der nächsten Stunden sollte ich über einen Balken balancieren. Auch nicht gerade meine Stärke, um es vorsichtig auszudrücken. Da ich wusste, dass mit ihm nicht zu verhandeln war, blieb nur meine Stimme im Kopf: „Das wird nie was!“ Ich habe darauf laut geschrien: „Das MUSS aber jetzt gehen, verdammt!“ Und es ging auch irgendwie.

Der Anfang ist das Schwierigste. Hat man erst die verdammte Hürde genommen, eine Aufgabe überhaupt anzugehen, geht es irgendwie! Jochen hat es nie zugelassen, dass ich der Angst nachgebe oder den Kopf hängen lasse, sondern mich immer über diese Schwellen …geschubst.

 

3 Responses to Trauern ja, Jammern nein

  1. Jan Persiel sagt:

    Eigentlich schreibst Du aber dann doch nicht vom Selberrumreissen, oder?! Es ist dann doch jemand da, der Dir geholfen hat. Aber das ist es ja am Ende auch: Ein Firestarter, ein Funken, die Du oder man oder ich auffangen müssen solange Glut da ist, ist der Zündfunke erst kalt, wird es nichts mehr mit dem Feuer fangen, oder eben auf Wolken schweben … bis zum nächsten Zündfunken, den man hoffentlich nicht wieder verglimmen lässt. Gut dass Du den Funken hast fangen können!

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