Guter Umgang mit schlechten Diagnosen

Durch Krankheit lernen – Dankbarkeit oder Wut?

Denken Sie darüber nach, was die Krankheit Ihnen Gutes bringt…

Das war die Frage einer Therapeutin. Und sie hat mich rasend gemacht. Was soll gut daran sein, Schmerzen zu haben, Ziele zu verfehlen und jeden Tag bis an die Grenze körperlich an sich arbeiten zu müssen?

Lebenswut

Ich habe viel Wut in mir. Auf niemanden spezielles, aber sie ist da und sie will raus. Ich habe vor allem in den letzten Jahren gemerkt, mit Wut im Bauch geht auch Vieles leichter. Ich kann mich oft leichter aufraffen, nach dem Motto „Dich mach ich fertig, Krankheit!“ In so fern finde ich eigentlich Wut gar nicht so übel und ich habe oft Schwierigkeiten damit, wenn mich andere versuchen zu einer, sagen wir, buddhistisch friedlichen Haltung zu bekommen: Die Situation, so anzunehmen, wie sie ist. Das Problem dabei: Ich hasse es, dass es so ist.

Ich lebe nicht im tibetanischen Kloster

Ich kann einfach viele esoterische Erklärungen nicht annehmen, weil ich das Gefühl habe, dass sie nichts mit meinem Leben zu tun haben. In einem Kloster in Tibet mag ich mein Schicksal aus einer anderen Richtung betrachten können, hier geht es oft nicht. Hier sehe ich Dinge, die ich können und erreichen will und werde von irgendwoher daran gehindert. Das fühlt sich erst einmal sehr ätzend an und friedliche Tipps machen mich da eher noch wütender.

Der Mittelweg

Ich glaube, es kann nicht entweder oder sein. Es ist nicht „sei Rambo“ oder „sei Buddha“. Ich habe mich mit einem Mittelweg ganz gut angefreundet: Wenn ich leichte Wut habe, versuche ich, diese in Schweiß beim Sport umzudampfen. Wenn die Wut aber zu groß wird, sodass sie selbstzerstörerisch werden kann, versuche ich, mit Meditation wieder „runter zu kommen“. Denn mit blutunterlaufenen Augen und mit schnaubender Nase trifft man in der Regel keine guten Entscheidungen. Aber in ruhigen Momenten lasse ich auch mal zu, über die guten Seiten der Krankheit nachzudenken. Ich habe mich sehr schnell von Belanglosigkeiten in meinem Leben getrennt. Ich habe gelernt, auf meinen Körper zu hören. Und ich habe gelernt, nicht mehr immer mit dem Kopf durch die Wand zu wollen.

Außerdem führt die Krankheit auch echt zu lustigen Situationen.

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