Guter Umgang mit schlechten Diagnosen

„Alle schauen immer!“ – Mit den Blicken umgehen lernen

Die Blicke der anderen verfolgen einen – überall. In der S-Bahn, auf dem Fahrrad, auf dem Bürgersteig. Man hat das Gefühl, dass die ganze Welt auf einen schaut und genau das bemerkt, was man am dringensten verbergen möchte.

„Alle schauen immer“

Ich lege noch einen drauf: Die Blicke verfolgen einen sogar, wenn man gerade alleine ist. Diese Gedanken-Spirale kenne ich leider nur zu gut. Ich bin dann im Kopf die Situationen durchgegangen, wo andere abfällig geschaut haben, oder habe mir Situationen ausgemalt, in denen andere bestimmt bald abfällig schauen werden. Das bringt leider überhaupt nichts, denn man zieht sich nur immer weiter runter und führt auch nicht zu neuen Gedanken, die einen gegen die Blicke abschotten.

Aber: Es gibt einen Weg heraus und er ist gar nicht mal so kompliziert. – Die Wahrheit ist: Man kann die Blicke und die Gesichter von anderen nun einmal nicht deuten. Kann sein, dass jemand gerade denkt,

  • „Mann, sieht das komisch aus, wie der geht“ und deshalb so mürrisch seine Stirn in Falten legt.

Kann aber auch sein, dass der Gleiche gerade gedacht hat

  • „Mann, der hat bestimmt auch so einen schmerzhaften Meniskusriss wie ich gehabt“ und deshalb so mürrisch seine Stirn in Falten legt.

Kann aber auch sein, dass der Gleiche gerade gedacht hat

  • „Mist, jetzt hab ich schon wieder vergessen, Käse einzukaufen“ und deshalb so mürrisch seine Stirn in Falten legt.

Man weiß es nicht. Punkt. Und man kann es auch nicht beeinflussen. Was man aber beeinflussen kann, ist die Frage, ob man es überhaupt an sich heran lässt.

Bewusst werden

Diese eigenen Gedanken abzuschalten geht zwar nicht von heute auf morgen, aber man kann es schnell üben. Man muss einfach erst mal nur erkennen, wann man wieder solche Gedanken hat. Als Beispiel: Ich nehme mir vor, 24 Stunden lang nicht darüber nachzudenken, was andere gerade denken. Das klappt natürlich nicht immer, ist aber eine gute Übung um auf die eigenen Gedanken zu achten. Wenn ich mich selber dabei erwische wie ich wieder über andere nachdenke, stelle ich mir einfach vor, dass dieser Gedanke aus meinem Kopf herausgespült wird.

Danach nehme ich das sportlich: „Ha, hab ich dich erwischt!“

Es hilft, ich verspreche es.

Im Kapitel „Darüber fluchen lernen“ habe ich in meinem Buch einen weiteren effektiven Weg gefunden…

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