Guter Umgang mit schlechten Diagnosen
20 Tage Gedanken steuern (15/20) Versuch heute: Kein schlechtes Bild von anderen

20 Tage Gedanken steuern (15/20) Versuch heute: Kein schlechtes Bild von anderen

Ich mache zur Zeit einen Selbstversuch im Gedankenbeobachten, um die negativen auszusortieren und mehr Platz für gesunde zu haben. Gar nicht so leicht, wie ich feststellen musste.

Nicht über andere aufregen

Es geht so schnell. Da schmatzt jemand zu laut, telefoniert, wenn man gerade so schön in den Gedanken verloren war, oder jemand macht nicht schnell in einer Warteschlange. Man regt sich auf und es wird immer schlimmer.

Ich kenne das leider nur zu gut. Wenn mich jemand nervt, bin ich immer mehr genervt, je mehr ich darauf achte, was mich nervt. Dann nervt mich, dass es mich nervt. Dann stelle ich mir vor, ich sage ihm, was mich nervt aber mich nervt, dass ich es ihm eben nicht sage.

Was hat es genützt

Nüscht und wieder nüscht. Ich habe völlig unnütz mentale Energie verplempert und rein gar nichts hat sich in meinem Leben geändert, geschweige denn verbessert. Also will ich damit aufhören und habe ausprobiert, einen Tag lang nicht schlecht über andere zu denken. Denn das will ich ja auch von denen: Nur, weil ich stolpere heißt das weder, dass ich betrunken bin, noch ein Idiot. Es wäre nett, wenn das niemand denken würde.

Erster

Mein erster Partner in diesem Test ist ein Mann, der laut im Bus krakeelt: „Ich fahre über Bramfeld! Ich fahre wirklich über Bramfeld!“ Seine Stimme überschlägt sich fast, „dann bin ich der erste auf dem Flohmarkt!“ – So was kann man sich nicht ausdenken. Nun gut, er ist immerhin mit Leidenschaft dabei. Ist ja auch unterhaltsam irgendwie.

Zweiter

Der zweite ist ein Mann der sehr stark transpiriert. Er zieht einen ranzigen Luftschleier hinter sich her, dass einem die Tränen in die Augen steigen.
Aber: mein Hirn ist auf Zack und denkt nur: „wer weiß, warum der so schwitzt. “
Brav, Hirn. Ganz brav.

Dritte

Nummer 3 ist eine Frau, die mutmaßlich volltrunken in der S-Bahn schläft. Teenies kichern um sie herum. Ihre weißen Socken stecken in schwarz glänzenden Slippern. Ihr weißer Bauch quillt unter dem T-Shirt hervor, darunter ist der Hosenstall offen. Ihr rotes Gesicht sieht friedlich aus. Ich erwische mein Hirn beim Pendeln zwischen amüsiert und mitleidig. Ich gebe den inneren Befehl, mal gar nicht zu werten.

Dieser Tag war erstaunlich entspannt. Das Gehirn ist ständig damit beschäftigt, Sachen und Menschen zu bewerten. Das braucht man aber nicht immer. Das war erfolgreich, mal sehen, ob sich das wiederholen lässt.

 

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