Guter Umgang mit schlechten Diagnosen
20 Tage Gedanken steuern (17-20/20) Der letzte Post: Keine Scham

20 Tage Gedanken steuern (17-20/20) Der letzte Post: Keine Scham

Ich habe mir vorgenommen, 20 Tage lang meine Gedanken zu beobachten, um die negativen von den positiven zu trennen und so mehr Freiraum für Gesundheit im Kopf zu haben.

Nicht jeden Tag habe ich etwas zu berichten gehabt, aber nun bin ich auf gewisse Weise am Ende dieser Challenge angelangt. 3 Tage habe ich mich jetzt dem schwersten Thema von allen gewidmet, um es nach und nach loszuwerden.

Das hat bei dieser Challenge geklappt

Etwa einen Monat nach meinem Anfang, auf negative Gedanken zu achten, bin ich in der Tat ein positiverer Mensch. Ich merke, dass ich immer aufmerksamer bin, was ich gerade denke und wie es mir geht. Einige Denkmuster konnte ich so wirklich verbannen. Wie zum Beispiel genervt sein von anderen Menschen. Ich finde jetzt selbst aufgebrachte, verschwitzt-angesäuselte Touristen in der S-Bahn erst einmal unterhaltsam. So verbraucht man doch gleich viel weniger Energie. Auch nehme ich mir öfter Auszeiten, wenn mir von der Arbeit der Kopf raucht und verhindere so, dass ich immer weiter in einen destruktiven Strudel aus Worst-Case Szenarios gerate. Stattdessen atme ich in Ruhe durch, meditiere, oder denke bewusst an etwas anderes und dann kommt die Lösung meist von allein.

Sehr belebend.

Ich bin auch generell entspannter. Wenn ich mal stolpere, oder wenn mir etwas runter fällt, rege ich mich nicht mehr auf, sondern mache einfach weiter. Die Energie kann man wirklich besser woanders einsetzen und es hilft mir auch sogar bei meinem Gangbild. Ich gehe entspannter und damit auch sicherer.

Das hat bei dieser Challenge nicht geklappt

Man kann natürlich negative Gedanken nicht ausknipsen, schon gar nicht innerhalb eines Monats. Wut, Enttäuschung und Trauer gehören irgendwie ja auch zum Leben dazu. Auch Angst. Die wird in meinem Leben gerade noch nicht wirklich weniger, aber ich bemerke sie jetzt bewusster. Manchmal bin ich sogar schneller als sie. Dann sehe ich eine Stufe und warte auf das Schreckensszenario in meinem Kopf. Wenn es dann kommt, warte ich bereits lächelnd und klopfe der Angst gedanklich auf die Schulter: „Da biste wieder, du kleiner Beschützer!“ Danach lasse ich den Gedanken los. Klappt ganz gut.

Die schwerste Übung läuft noch

Es ist Sonntag Morgen, ich sitze in der Sonne und denke über die vergangenen Tage nach. Ich habe nach und nach Wut, Schmerzen und Zweifel aussortiert. Mal erfolgreich, mal weniger, vieles habe ich erreicht auf das ich stolz bin. Aber jetzt bin ich beim schwersten Thema, gewissermaßen dem End-Boss meiner Gedanken angekommen: Scham.

Ich schäme mich oft für meine Krankheit, wie ich laufe, wie ich mich bewege. Natürlich ist das Unsinn, aber es ist wahr. Unbewusst senke ich den Blick und höre weg, wenn mich andere Menschen ansehen. Das habe ich schon gar nicht mehr gemerkt, als ich nach und nach die Themen aussortiert habe, die in meinem Kopf so rumgeistern. Es hat mich sehr überrascht, dass Scham das letzte Thema ist, das übrig bleibt.

Ich habe daher in den vergangenen Tagen die Wechselwirkung zwischen Körper und Geist genutzt: Ich habe beim Gehen versucht, nicht mehr auf den Boden zu achten und mit geradem Rücken zu gehen. Das hat natürlich eine andere Wirkung auf meine Mitmenschen. Ich stolpere zwar immer wieder, aber streng genommen hätte ich das mit wirrem Abscannen des Bodens auch nicht verhindert.

Ich denke mir „Wenn ich stolpere, ist das halt so. Ich kann ja nichts dafür.“ Ich habe Tränen in den Augen und einen Klos im Hals, aber es hilft.

Mal sehen, wohin es mich noch führt, danke, dass ihr bei dieser Challenge dabei wart.

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