Guter Umgang mit schlechten Diagnosen
Dahin gehen, wo es weh tut

Dahin gehen, wo es weh tut

Ich glaube, jeder will erst einmal Schmerz und Schmach verhindern. Das ist auch nachvollziehbar. Wenn einem bestimmte Sachen schwer fallen, versucht man automatisch sie zu umgehen. Da mir koordinative Dinge schwerfallen, gehe ich denen immer wieder aus dem Weg. Ich denke mir dann: „Das kann ja nicht gut gehen“ und „man muss sein Glück ja auch nicht herausfordern“.

Das ist aber leider eine Sackgasse.

Runter vom Sofa

Ich habe gemerkt: Wenn ich mich daran orientiere, was ich nicht mehr kann, dann wird mein Handlungsrahmen nur noch kleiner. Ein Beispiel: Ich wollte eigentlich auf einer Party zu einem Freund rübergehen, den ich lange nicht mehr gesehen hatte. Dafür hätte ich aber natürlich aufstehen und quer durch den Raum gehen müssen. Das hätte schief gehen können und hätte peinlich aussehen können.

Hätte, hätte, Fahrradkette. Ich hab’s nicht gemacht und ihn nicht gesprochen. Der Schweinehund hatte gewonnen. Jetzt passiert aber folgendes. Man lehnt sich nicht zurück und atmet durch: „Aah, Risiko verhindert, ich sitz hier immer noch herrlich rum!“ Sondern die Sorgen vergrößern sich und der Schweinehund raunt noch selbstbewusster als vorher: „Willst du wirklich dieses Glas zum Mund führen? Das könnte daneben gehen…“ Also trinke ich lieber nicht.

Und so ganz nebenbei schrumpft der eigene Rahmen immer weiter und weiter. Bis man irgendwann lieber erst gar nicht mehr vom Sofa aufsteht und erst gar nicht erst zur Party geht.

Wehret den Anfängen

Ich hatte irgendwann keine Lust mehr, beim Sport die Übungen zu machen, die mir schwer fallen und bei denen ich unsicher aussah (Freihantelübungen oder so was). Also habe ich mich stattdessen in die Geräte geklemmt, wo man isoliert einen Muskel trainiert. Sieht normal aus wie bei allen anderen und strengt ja auch irgendwie an. Also die bessere Lösung, dachte ich. Ganz falsch. Unterbewusst hatte ich der Angst nachgegeben und meinen Radius verkleinert. Für meine Gesundheit ist es übrigens komplett wurscht, ob ich Muskeln isoliert trainiere. Es kommt auf die Verbindung zum Gehirn an. Bei jeder Treppe auf dem Nachhauseweg dachte ich dann: „Lieber woanders lang gehen.“

Als ich aber dahin ging, wo es weh tut, dahin, wo mein Schweinehund jault und meine Angst brüllt, da wurde alles anders.

Mir fällt Treppensteigen schwer. Also habe ich mir im Fitnessstudio Stufen gebaut und trainiert. Sah das gut aus? Nö. Klappte das immer? Nö. Aber hat es sich gut angefühlt? Ja, verdammt. Danach habe ich bei jeder Treppe auf dem Nachhauseweg geschmunzelt: „Ja, ich bin dran, du Mistvieh!“

Rein ins Risiko

Dann doch lieber rein ins Risiko und der Angst entgegenlaufen. Ich habe irgendwann gemerkt, dass meine Lebenswut immer weiter steigt, je mehr ich mich meinen Ängsten stelle. Das gilt für alle Bereiche, Bewegungen, aber auch Aufgaben im Job oder unangenehme Gespräche und so weiter. Wer sich konsequent den Dingen stellt, die Angst machen, fühlt sich unbesiegbar. Versprochen.

Helfen lassen

Ganz klar: So was macht man nicht mal eben so nebenbei: Den Ängsten entgegenstellen. Also bitte Profis um Hilfe bitten. Personal Trainer oder Physiotherapeuten oder wer auch immer helfen kann. Manchmal braucht man auch dringend einen Tritt in den Po, da gibt es aber Profis für.

Das ist sehr effektiv und macht übrigens auch derbe Spaß.

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