Guter Umgang mit schlechten Diagnosen
„Sie geben zu schnell auf!“ – Mehr Biss bitte

„Sie geben zu schnell auf!“ – Mehr Biss bitte

Zack, das saß. Meine Physiotherapeutin war unzufrieden, wie schnell ich mich mit einem Griff an die Sprossenleiter sichere. Wir waren gerade dabei, den Krieger 1 im Yoga zu üben. Gar nicht so leicht mit Gleichgewichts-Schwierigkeiten, aber sehr effektiv. Eigentlich. Wenn man es kann.

Da ich überhaupt keine Lust habe zu stürzen, mache ich solche Übungen mit der rettenden Sprossenwand in Griffnähe. Das ist sicher, aber leider nur halb so effektiv. Sobald ich ins Schwanken gerate, greife ich zu. Meine Physiotherapeutin maulte: „So bringt das nix. Sie geben zu schnell auf.“ Nach der Stunde war ich missmutig. Frechheit. Ich gebe zu früh auf. Aber als ich so mit meinem Gehstock die Straße entlang ging, dämmerte mir, so Unrecht hat sie vielleicht nicht.

Der Stock, mein fieser Helfer

Ich habe irgendwann angefangen, mir das Leben etwas leichter zu machen mit dem Gehstock. Keiner schaut mehr blöd, keine dummen Sprüche mehr, ich muss mich beim Gehen weniger konzentrieren, das ist sehr angenehm. Aber: Ich gehe auch deutlich schlechter. Ich verlasse mich eben doch auf den Stock und seine Stütze, mehr als ich das wahrhaben will. Man, ist das frustrierend.

Mehr Risiko und Biss bitte

Mir schwant, da hilft nur: Weg damit. Jedenfalls immer mal wieder. Ich gebe offen zu – ich habe in den letzten Wochen etwas Biss verloren in den Gesundheitsfragen und mich zu sehr auf meine Helfer Sprossenwand und Gehstock verlassen. Mehr Risiko und mehr Biss bedeutet aber wohl auch mehr Stürze. Da freue ich mich jetzt nicht so derbe drauf. Muss aber sein. Ich gebe zu schnell auf? – Das lasse ich nicht auf mir sitzen!

 

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2 Responses to „Sie geben zu schnell auf!“ – Mehr Biss bitte

  1. Martina D. sagt:

    Sie sind für mich der Innbegriff eines Kämpfers der über unfassbare Kraft verfügt Menschen zu inspirieren und nie würde ich mir anmaßen zu sagen, Sie würden zu früh aufgeben. Außer im Krieger I. (auch Heldenstellung genannt;-)). In der Asana heißt es, die innere Kraft zu bündeln, ganz ohne Verbissenheit, ohne falschen Ehrgeiz, die Vergangenheit zu akzeptieren, der Zukunft freudig und wach entgegen zu sehen und im Jetzt und Hier fest, jedoch flexibel, mit dem Boden geerdet zu sein.

    Es steckt weit aus mehr in dieser Übung als man mit bloßem Auge wahrnehmen kann. Und auch ich schwanke an manchen Tagen bei dieser Übung. Und das nicht, weil ich an einer Bewegungsstörung leide sondern weil evtl. mein mentaler Zustand geschwächt ist. Ich glaube aber fest an Ihren starken Geist und wenn ich mich manchmal in der Wortwahl vergreife, dann nur, weil genau dieser starke Geist ihr Äußeres erhellt und Ihre Symptome in den Hintergrund drängen lässt. Und dann passiert es leider mal, dass einem ein fremder Passant den Gehstock aus der Hand reißt oder die Physiotherapeutin vorlaut wird.

    Nehmen Sie meine Entschuldigung an?

    Herzliche Grüße

    Martina D.

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