Guter Umgang mit schlechten Diagnosen

Hilfe, ich bin gefangen

Ich weiß, ich bin in einem System gefangen, aus dem ich nicht mehr rauskomme. Denn alles hat eine Wirkung. Aber schön der Reihe nach.

Auf der Suche

Ich habe immer noch auch irgendwas in mir, was schlechte Neurologen anscheinend anzieht. Auch mein letzter Versuch in Hamburg ist gescheitert an traurigen Tränensäcken, die irgendetwas jammerten von „Da haben Sie’s ja ganz schwer erwischt.“ Als ich dann sie über die neuesten Ergebnisse aus der Forschung aufgeklärt habe, bin ich aufgewacht aus dieser Trance und habe mir geschworen: „Da gehste nie wieder hin, Junge!“

Also heute der Besuch in einer Uni Klinik einer anderen Stadt. Meine Motivation war auf dem Gefrierpunkt, aber ich will die Verbindung zur Schulmedizin nicht kappen. Im Auto habe ich mich selber positiv gepolt: „Das wird ein super Termin! Das sind tolle Ärzte. Die sind hilfsbereit, respektvoll und motivierend. Das wird ein super Termin! Das…“

Modern Art 1984

Alles hat eine Wirkung. Natürlich kann niemand der Anwesenden dort was dafür. Trotzdem wird man ja wohl noch über den zart-beißenden Geruch von Sakrotan auf den Fluren, den 80er Charme der Einrichtung (Wandposter: „Modern Art Los Angeles `84“) abkotzen dürfen. Das ist wirklich kein Ort zum Gesundwerden. Aber so sind Krankenhäuser nun mal. Wer da einen Termin hat, ist da gefangen.

Der Klempner und das Glas

Dann betritt der Arzt die Bühne. Netter Kerl. Hilfsbereit? Ja. Respektvoll? Total. Motivierend? Äh, im Rahmen seiner Möglichkeiten. Ich weiß, das gehört alles zum Spiel, aber ich kann schon gar nicht mehr sagen, vor wie vielen weißen Kitteln ich den Einbeinstand versucht habe. Musste vielleicht jedes Mal sein, hat aber auch jedes mal eine ätzende Wirkung. Er musste ja seine Untersuchungen machen und seine Fragen stellen. Meine Laune sank bei jedem seiner Fragezeichen. Stürze? Inkontinenz? Depression? Wir waren gefangen. Ich erzählte ihm von meinen Hoffnungen und ermutigenden Ansätzen, doch er musste eine Anamnese durchziehen.

Ich war also quasi bei einem Klempner und hoffte, dass er mir ein Fenster einsetzen kann. Das konnte nicht klappen. Hoffnung, Heilung, Mut machen. Das alles kann (!) gar nicht auf deren Radar sein. Sie haben es schlicht nicht gelernt. Ich habe das sogar während des Termins gedacht, kam da aber trotzdem mental nicht raus.

Zu Hause habe ich mich erst mal mit Liegestützen abreagiert. War das gesund? Irgendwie bestimmt.

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