Guter Umgang mit schlechten Diagnosen
Offener Brief an meine Mitmenschen

Offener Brief an meine Mitmenschen

Ich sitze gerade im Osterurlaub und schaue auf die Ostsee in Dänemark und möchte etwas loswerden.

Das habe ich euch nie gesagt

Dies richtet sich an alle unbekannten Passanten, die mich mit der neurologischen Krankheit sehen. Alle Menschen, die mich nicht kennen und mit Stock torkeln, schwanken oder ungeschickt hantieren erleben.

Ich möchte mich entschuldigen und bedanken. Das ist mein voller Ernst.

Ich wollte immer meckern

Ich habe in der Vergangenheit oft geschimpft über blöde Sprüche oder abfälliges Gelächter. Aber vor einigen Wochen, als mir wieder jemand seinen Arm am Flughafen anbot, wurde mir klar, dass ich meinen Fokus ändern muss.

Die meisten Menschen sind sehr zuvorkommend, rücksichtsvoll und hilfsbereit, wenn sie meinen Stock sehen. Sie machen aufmerksam Platz im Bus, auch wenn ich es nicht annehmen möchte, sie warten gerne auf mich und viele bieten mir sogar ihren Arm an, wenn es eine lange Treppe heruntergeht. Selbst in Selbstbedienungsrestaurants tragen Kellner oft gerne mein Tablett an einen Tisch. Auch wenn es witziger ist, darüber meckernd zu schreiben, die Wahrheit ist: Die meisten Menschen sind umwerfend freundlich zu mir. Und das beste: Das funktioniert von New York, über Hamburg bis nach Dhaka überall wo ich auf der Welt war.

Danke

Danke! Das muss auch mal gesagt werden. So kommt man mit einer seltenen Krankheit besser klar. Die paar Idioten, die doof reagieren, die ignoriere ich nicht mal.

Danke allerseits und frohe Ostern!

Euer Hendrik

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