Guter Umgang mit schlechten Diagnosen

Scheitern feiern! – Ich mach’s vor

Ich behaupte, dass jeder, der wie ich gegen eine seltene (neurologische) Krankheit ankämpft, Angst hat zu scheitern.

Scheitern ist überall

Das muss man sich bei mir so vorstellen: Jede Stufe, jede Unebenheit im Boden, jeder Passant, der abrupt vor mir stehenbleibt, ist ein Moment des Scheiterns für mich. Ich stolpere, haue mir die Füße an, ich stürze auf spektakuläre Art fremden Menschen in die Arme oder vor die Füße und ich ärgere mich jedes Mal.

Die Gedanken-Spirale im Kopf geht dann so:

„Warum bist du auch so schnell gegangen? Warum bist du hier lang gegangen? Warum bist du überhaupt gegangen, du hättest ja auch den Bus nehmen können? Warum bist du heute morgen aus dem Haus gegangen, es hat sich doch eh seltsam angefühlt heute?“

Natürlich ist das eine Sackgasse. Ich weiß das, aber ich tapse immer wieder da rein.

Der Ausweg

Es gibt aber einen mentalen Ausweg. Mir hat es sehr geholfen, den Fokus zu verändern von dem, was schiefgegangen ist zu dem, was ich riskiert habe. Und das gilt es zu feiern. Ein Beispiel, dass ich auch in meinem Buch „Karma, wir müssen reden“ beschrieben habe: Auf einer Hochzeit wollte ich tanzen, weil ich mich total gut gefühlt habe. Ich bin trotzdem gestürzt (aber wie!) und saß Tage später mit dickem Knie und mieser Laune bei meiner Therapeutin. Diese strahlte mich an:

„Entscheidend ist nicht, dass Sie gestürzt sind. Entscheidend ist, dass Sie getanzt haben!“

Ich fordere die Menschheit also auf… Naja, ok, das versuche ich noch einmal mit weniger Pathos: Ich möchte allen Mut machen, sich nicht auf das zu versteifen, was nicht geklappt hat, sondern auf das, was man riskiert hat. Und darauf sollte man derbe stolz sein.

Ich habe deshalb ein Risiko-feiern-Video meines Trainings erstellt mit allen Stürzen, Wacklern und Peinlichkeiten. Sieht nicht elegant aus, ich weiß. Aber: Es sind allesamt Übungen, die riskant waren und die ich nicht konnte. Eigentlich super, dass ich es riskiert habe!

 

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