Guter Umgang mit schlechten Diagnosen
Dialog, statt Kampf – Die Mut-Challenge, dem Drachen entgegen (21/21)

Dialog, statt Kampf – Die Mut-Challenge, dem Drachen entgegen (21/21)

Es ist Sonntag früh, ich sitze mit Kaffee und Tagebuch in der Küche und blicke zurück auf die letzten Tage und plane meine nächste Woche. Ich habe in den vergangenen Tagen etwas wichtiges über die Angst gelernt.

Im Kampf kann man sie nicht besiegen

Ich habe mich in den letzten Wochen der Angst auf die verschiedensten Arten immer wieder gestellt. Ich bin Fahrrad gefahren, auch wenn eine innere Stimme mich gewarnt hat. Ich habe ihr aufmerksam zugehört beim meditieren. Ich bin recht konsequent immer dahingegangen wo mich die Angst warnen wollte. Oft habe ich dadurch in der Tat eine Freiheit und eine große Kraft gespürt, denn dadurch hat sich mein Lebensradius immer mehr erweitert. Ich habe mich mehr getraut, mehr war denkbar, mehr war träumbar. Ein wunderbares Gefühl. 

Aber es hatte immer etwas von einem Kampf, ich bin immer wütender und aggressiver geworden.

Hinzu kam, dass ich durch das Neue Mittel, was ich gerade ausprobiere, tatsächlich tagelang schlechter laufe. An solchen Tagen ist es einfach nur leichtsinnig, neue Dinge auszuprobieren.

Kampf macht die Angst nur stärker

Ich wollte eines nicht wahrhaben: Angst hat ihre Berechtigung. Oft ist sie sinnloser Reflex, manchmal aber eben auch sinnvoller Schutz. Wie also die Mitte finden? Ich habe tagelang darüber nachgedacht, wie ich die Balance finde, zwischen dem Wunsch, sich der Angst stellen und leichtsinnig sein.

Dialog, statt Kampf

Folgendes hat bei mir funktioniert: ich trete mit der Angst in einen Dialog. Wenn ein Schreckensszenario vor meinem inneren Auge entsteht, sage ich innerlich zu ihr:

„Ok, vielen Dank für den Hinweis, könnte so passieren, muss aber nicht.“

Und danach kommt das Entscheidende. Ich prüfe, ob sich mein Lebensradius vergrößert, wenn ich etwas trotz Angst tue. Ein Beispiel: Ich war bereits im Taxi auf dem Weg nach Hause, mein Fahrrad stand allerdings noch vom Morgen an der S-Bahn. Es wäre ein Leichtes gewesen, direkt nach Hause zu fahren. Die Angst in mir sprach: 

„Wenn du jetzt stürzt, das wäre ja frustrierend. Völlig unnötig, du bist ja fast schon zu Hause.“

Ich wurde kurz wütend, habe mich aber gesammelt und geprüft: Es ist gutes Wetter, ich bin fit, habe kein schweres Gepäck. Es gab keinen Grund, nicht zu fahren. Wenn ich da nachgegeben hätte, wäre mein Lebensradius geschrumpft. Wenn ich anfange, auch bei perfekten Rahmenbedingungen auf das Fahrradfahren zu verzichten, wo soll das enden?

Das habe ich durch diese Challenge gelernt: Angst zu bekämpfen bringt es nicht. Aber sie darf auch nicht zum Befehlsgeber werden. Ich nehme sie jetzt mehr als Berater. Manchmal höre ich auf sie, oft nicht.

Viel Erfolg beim Nachmachen, ich hoffe, es waren gute Tipps dabei.

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