Guter Umgang mit schlechten Diagnosen

Offener Brief an meine Ex-Neurologin

Es reicht. Letzte Woche lief mein Fass über. Wer wie ich eine seltene neurologische Krankheit hat, braucht Ärzte, die einem helfen, nicht noch Steine in den Weg legen. Ich habe hier und in meinem Buch mehrfach über meine sehr negativen Erfahrungen mit einer Hamburger Neurologin gesprochen. Dieser Brief geht Montag an sie raus. Hier gerne zum Nachlesen. Ich prüfe gerade, ob ich hier ihren Namen nennen darf.

 

Guten Tag Frau Dr. *,

 

ich werde Ihre Praxis nie wieder betreten. Vielleicht sind Sie an den Hintergründen interessiert, die mich auch zu meinen zahlreichen negativen Bewertungen in allen relevanten Online-Portalen und meiner Beschwerde bei der Hamburger Ärztekammer bewogen haben.

 

Vermutlich nehmen Sie sich aber auch dafür keine Zeit. Wenn dem so ist, erleichtert dieser Brief zumindest mich.

 

Ich hätte schon bei der Einrichtung Ihrer Praxis stutzig werden müssen: trist wäre noch milde umschrieben. Jedes Gespräch ist akustisch von überall verständlich, es gibt keinerlei Privatsphäre dafür aber abgetretene, aber baulich völlig unsinnige Stufen. Ist Ihnen wirklich nicht bewusst, dass dies für Patienten mit neurologischen Schwierigkeiten eine Gefahr darstellen könnte?

 

Hinzu kommt der herablassende Tonfall Ihrer Kolleginnen am Empfang, die absurd schlechte Erreichbarkeit Ihrer Praxis und die viel zu langen Wartezeiten trotz Termin.

 

Frau *, es scheint Ihnen nicht klar zu sein, darum versuche ich es mit sehr einfachen Worten: Die Menschen, die zu Ihnen kommen, brauchen neurologischen Rat. Dringend. Sonst würden Sie nicht in Ihre Praxis kommen. Ihre ständige Hektik zwischen den Patienten, die fehlende Vorbereitung (Sie mussten bei drei meiner Terminen nochmals nachschauen, wer ich bin und warum ich da bin. Vor meinen Augen), oder Ihre deprimierende Rhetorik; Wenn Sie keine Lust auf Menschen haben, sind Sie im falschen Job. Vielleicht wäre das Labor etwas für Sie?

 

Das Schlimmste aber ist: Ihre veraltete fachliche Bildung. Sie behaupten ernsthaft, das Nervenzellen im Gehirn nicht nachwachsen können. Falls Sie sich eines Tages über moderne Erkenntnisse in der Neurologie informieren möchten, über die sogenannten „Neuroplastizität“, melden Sie (Ärztin) sich gerne bei mir (Patient). Diese Erkenntnisse sind selbst in der populärwissenschaftlichen Literatur seit Jahren bekannt. Es ist ganz einfach, sich hier weiterzubilden, versuchen Sie es doch mal in der Buchhandlung um die Ecke. Wenn ich mir klar mache, dass Sie wohl auch auf sehr viele Patienten treffen, die diese Vorkenntnisse nicht selbst recherchiert haben, wird mir schlecht.

 

Sie fragen sich vielleicht, warum ich überhaupt zum wiederholten Male zu Ihnen gekommen bin. Das wäre eine gute Frage. Zu Beginn stellten Sie mir in Aussicht, all das zu verschreiben, was mir hilft. Das war leider trotz allem für mich Grund genug, wiederzukommen. Jetzt wollten Sie mir allen Ernstes keine neuen Einlagen für die Schuhe und keine Dauerverordnung für Physiotherapie verschreiben. Die Begründung macht mich immer noch fassungslos: Der Aufwand war Ihnen zu groß. Das war dann auch mir zu viel der Ignoranz.

 

Fast hätte ich es vergessen: Dieser Brief ist online auffindbar. Auf meinem Blog „Schweinehund knutscht Depression“, davon habe ich Ihnen erzählt, aber auch da haben Sie nicht zugehört. Das kann man mit diesen modernen Dingen so machen. Das macht man dann, wenn man nicht möchte, dass andere auch durch so eine Behandlung wie bei Ihnen müssen.

 

Frau *, ich werde gesund, ob Sie das für realistisch halten, ist mir völlig egal. Ich habe da große Hoffnung. Dass dieser Brief bei Ihnen einen Effekt hat, halte ich hingegen  für unwahrscheinlich. Ihre Haltung gegenüber Patienten ist vermutlich unheilbar.

 

Mit dem Ihnen gebührenden Respekt

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