Guter Umgang mit schlechten Diagnosen
Buchtipp:   „Das sieht ja gar nicht gut aus – Was wir von Ärzten nie wieder hören wollen“

Buchtipp: „Das sieht ja gar nicht gut aus – Was wir von Ärzten nie wieder hören wollen“

Aktuell verschlungen und als sehr lesenswert empfunden. Ein sehr unterhaltsamer Appell, sich als Patient nicht alles gefallen zu lassen und mit witzigen Übersetzungen von den Floskeln einiger Ärzte in verständliche Sprache: Das sieht aber gar nicht gut aus: Was wir von Ärzten nie wieder hören wollen von Werner Bartels.

Am eigenen Leib

Da ich eine seltene neurologische Erkrankung habe, habe ich meinen ganz eigenen Marathon aus Arztbesuchen und Sprechstunden hinter mir und weiß Gott meine eigenen Erfahrungen gemacht. (Das hat mich irgendwann motiviert, mein eigenes Buch darüber zu schreiben). In so fern spricht mir dieses Buch sehr aus der Seele und erklärt sehr schön, warum man als Patient oft so hilflos und passiv selbst die unsinnigsten Kommentare hinnimmt.

Ich habe auch gute Ärzte getroffen: Empathisch, kompetent, motivierend. Viele andere Ärzte jedoch waren gefangen in einem System, das sie zu mehr Effizienz, Wirtschaftlichkeit und Geschwindigkeit drängt. Hoffnung, Mut, alternative Heilansätze? Fehlanzeige. Erst kürzlich habe ich mich mit meiner bisherigen Neurologin angelegt und nach der Lektüre dieses Buches dünkt mir: Ich bin nicht allein. Das Buch enthält sehr viele Fallbeispiele aus den verschiedensten Hintergründen.

Gefangen im System?

Allerdings hat mich das Buch auch zum Nachdenken gebracht. Im Schnitt nehmen sich Ärzte in Deutschland acht Minuten pro Patienten Zeit. Sie sehen im Schnitt hunderte Patienten pro Woche und Zehntausende im Laufe ihrer Karriere. Hinzu kommen die finanziellen Faktoren und Gesetze, die Behandlungen immer weiter standardisieren und auf den letzten Cent auspressen. Ich sehe schon, dass das eine Systemfrage ist, der sich viele Ärzte wohl nicht einfach entziehen können. Außerdem sind Ärzte halt auch nur Menschen und haben mal einen schlechten Tag.

Krank = Pech gehabt?

Nur eine Kleinigkeit kaufe ich dem Autoren nicht so ganz ab: Er betont mir für meinen Geschmack etwas zu sehr die passive Haltung der Patienten, die nun einmal Pech im Leben hatten. Während das ganz ohne Zweifel für einige ganz genau so ist, haben doch auch viele Menschen einen ganz großen Anteil an ihrer Gesundheit, denke ich: Die innere Lebenseinstellung, eine gute Ernährung, Bewegung usw.

Trotzdem: Große Leseempfehlung von mir!

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