Guter Umgang mit schlechten Diagnosen
Wie tief kann man sinken? Sehr tief. Ein neuer Verletzungsbericht.

Wie tief kann man sinken? Sehr tief. Ein neuer Verletzungsbericht.

 

Ich sitze mit starken Schmerzen im Oberschenkel im ICE von Frankfurt nach Hamburg. Ich bin am Flughafen über meine Jacke gestolpert, die mir von der Schulter gerutscht ist. Plötzlicher Spagat, Sturz, Krämpfe, ein Bein, das mir nicht mehr gehorcht. Dann Rettungswagen und Uni-Klinik Frankfurt. Besorgte Passanten, besorgte Kollegen, besorgte Freunde. Diagnose: Muskelfaserriss. Ich könnte kotzen.

Diese Verletzung hat eine neue Qualität. Es geht nicht wirklich um die Schmerzen, den daran kann sich jeder gewöhnen. Jetzt macht mein Bein bei der leichtesten Belastung einfach zu. Es gibt nach. Der Schmerz schießt hoch und der Muskel wird schlapp und ich sacke einfach zusammen. Meine bisherige Methode mit Zähne zusammenbeißen und durch da, hilft jetzt nicht weiter. Entlastung beim Laufen etwa mit 2 Krücken geht von der Koordination nicht. Ich bin stillgelegt, na toll.

Ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass das Leben auch aus Prüfungen besteht, wie man mit Rückschlägen umgeht. Ich finde nur, ich habe da etwas viele im Verhältnis abbekommen.

Ich versuche gerade im Tagebuch meine Gedanken festzuhalten, aber das geht kaum. Laut, schrill und rasend schnell sind sie:

  • Wie viele Rückschläge kann ich noch verkraften?
  • Wie viele Tage verliere ich, bis ich wieder in Form bin?

Es ist ein Albtraum. Wahrscheinlich überlagern sich gerade die Schmerzen der gezerrten Hüftkapsel vom Sturz vor 4 Wochen und mein frisch diagnostizierter Muskelfaserriss im Oberschenkel.

Ich schreibe das nicht gern: Aber die Wahrheit ist, ich habe gerade nichts anzubieten. Keine guten Tipps, keine Learnings, kein positiver Twist.

Vielleicht verstehe ich irgendwann, was das hier alles bedeuten soll.

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3 Responses to Wie tief kann man sinken? Sehr tief. Ein neuer Verletzungsbericht.

  1. Ithar sagt:

    Lieber Hendrik,
    Ich weiß auch nicht, warum du das alles durchmachen musst und ich bin mir sicher, weniger von alledem wäre bestimmt einfacher für dich und deine Frau. Was ich dir aber ganz sicher sagen kann: ich bewundere dich sehr. Und ich bin da bestimmt nicht der einzige. Dein Wille zu siegen hat einen Leuchtturmeffekt. Du strahlst unglaubliche Stärke und Hoffnung aus und hilfst damit anderen ihren Weg der Stärke zu finden. Danke dafür.
    Liebe Grüße,
    Ithar

  2. Birgit sagt:

    Beachtlicher Spannungsbogen. Die Dramaturgie der Herleitung ließ zunächst auf Aorta-Riss schließen.

    Ein Bekannter sitzt nach einem Snowboard-Unfall mit einem sauberen Querschnitt im Rollstuhl. Diese Klageschrift und die vorwurfsvoll drapierten Krücken werden ihn zu Lachtränen rühren.

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