Guter Umgang mit schlechten Diagnosen
Ein Dialog für mein Museum

Ein Dialog für mein Museum

Im schönen Buch The Big Five for Life: Leadership’s Greatest Secret
von John Strelecky wird das Bild der „Museums-Tage“ verwendet: Wäre dein Leben eine Ausstellung im Museum, welche deiner Tage wären dargestellt?

Gestern Abend war so ein Museums-Moment für mich

Beim Einsteigen ins Taxi lobe ich den Musikgeschmack vom Fahrer Pedro, es läuft eine Opern-Arie, gesungen von Maria Callas.

Er erzählt mir, dass ihn diese Musik immer wieder aufmuntert. Er hat sich vor zwei Jahren verschuldet, kommt kaum über die Runden und ist gerade unglücklich verliebt.

Er wirkt sehr traurig.

Danach folgt dieser Dialog:

Er: „Manchmal frage ich mich nach dem Sinn für alles.“

Ich: „Ich auch.“

Er: „Und? Haben Sie den Sinn gefunden? Ist es Gott?“

Ich: „Das weiß ich nicht. Aber manchmal glaube ich, das Leben ist ein Test, dass wir die Hoffnung behalten.“

Ihn trifft ein Blitz. Wir schweigen. Er verdrückt eine Träne.

Er: „Das haben Sie sehr schön gesagt, so habe ich das noch nie gesehen.“

Wir schweigen.

Er: „Woher wissen Sie so was Tiefgründiges?“

„Ich weiß es ja gar nicht.“ Ich zeige auf meinen Stock. „Aber ich glaube daran. Vor zehn Jahren bekam ich eine Krankheit mit vielen Peinlichkeiten und Schmerzen und einer schlechten Aussicht. Aber immer wenn ich mir wieder Hoffnung gemacht habe, ist irgendwas Gutes passiert.“

Er lächelt diffus in die Berliner Nacht: „Wunderbar.“

Er: „Sie wissen gar nicht wie viel mir unser Gespräch bedeutet für mein Leben. Ich hatte gerade die Lust daran verloren.“

Zum Abschied umarmen wir uns und als er im Lichterstrom Unter den Linden verschwindet weiß ich, ich hatte gerade einen Museums-Moment mit Pedro.

 

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One Response to Ein Dialog für mein Museum

  1. Ithar sagt:

    Sehr schöne Geschichte. Hat mir auch die Tränen in die Augen schießen lassen. Solange man noch Hoffnung hat, macht man zumindest eine Sache richtig.
    LG
    Ithar

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