Guter Umgang mit schlechten Diagnosen
Welche 4 Lektionen mich meine Tochter (4 Wochen) lehrt

Welche 4 Lektionen mich meine Tochter (4 Wochen) lehrt

Vor vier Wochen überkam mich das große Glück Vater zu werden. Seitdem ist vieles anders und das Gravitationszentrum unseres Lebens ist gerade mal 54 Zentimeter groß. Ich bewundere jetzt meine Frau und alle Frauen noch viel mehr, wozu der weibliche Körper in der Lage ist und bin sehr dankbar für vier großartige Lektionen während meiner ersten 4 Wochen Elternzeit. 

  1. Ich bin vollkommen

Vermutlich geht es Vielen mit Krankheiten wie der Friedreich Ataxie so wie mir, dass sie sich oft auf das konzentrieren, was nicht funktioniert. Wie war der Schritt? Der Griff? Wie komme ich die Treppe runter? Was fehlt mir zu dem, wie ich gerne wäre? Ich habe ein sehr detailliertes Bild von dem, was mir meiner Meinung nach fehlt.

Das könnte meine Tochter sicher nicht verstehen. Für sie zählt nur: Papa ist da. Sie hört meine Stimme, spürt meine Wärme und riecht an meinem Hals. Mehr braucht sie nicht und mehr muss ich erst mal nicht bieten. Ob ich sie zum Wickeltisch trage, oder im Stubenwagen fahre, ist ihr wohl wurscht. Wenn wir dann „unser Ding“ machen mit Singen, Massieren und Föhnen sehen wir beide eigentlich nicht aus, als ob irgendetwas fehlt.

  1. Alle Emotionen werden roh genossen

Durch meine Tochter habe ich sehr deutlich gemerkt, wie sehr ich meine Emotionen bewerte und versuche auszuwählen. Ich möchte gerne Dankbarkeit, Freude und Hoffnung mehr fühlen und Angst, Wut und Trauer weniger. Was für ein Unsinn eigentlich. Was da ist, ist da. Meine Tochter brüllt ihre Wut raus, bis wir Eltern das Problem behoben haben. Danach gluckst sie wieder zufrieden auf dem Teppich als wäre nie was gewesen. Das fühlt sich wie ein sehr gesunder Ansatz an.

  1. Es zählt nur das Jetzt

Mein Zen-Meister sagte einmal: „Der Kopf ist selten dort, wo der Rest des Körpers ist.“ Wohl wahr bei mir. Oft denke ich darüber nach, was mir in Vergangenheit passiert ist, oder wie meine Zukunft aussehen könnte. Dabei entgehen mir manchmal durchaus schöne Augenblicke. Meiner Tochter nicht. Ihre große Augen beobachten immer das Jetzt. Ist ja auch spannend genug.

  1. Das Leben ist sehr einfach

Ich bin verkopft, ich weiß. Mein Reflex bei Problemen ist immer: Das muss doch durch Nachdenken irgendwie zu lösen sein. Nach und nach habe ich mir eine sehr ausgefeilte Routine aus Mentaltraining, geführten Meditationen, Tagebuch und dem Abgleich mit meinen großen Lebenszielen erarbeitet. Diese Routine begann eigentlich immer um 5 Uhr und dauerte 2 Stunden täglich. Gestern lag meine Tochter auf meinem Bauch und ist eingeschlafen. Pures Glück, mehr geht nicht. Ich musste nichts tun, hatte nichts geplant, das Ganze nicht durchdacht.

Es ist Sonntag Morgen, draußen tunkt die Sonne den Himmel in Rosa, neben mir dampft der Kaffee. Meine Lehrmeisterin schläft im Stubenwagen zum voll aufgedrehten Sound „Waschmaschine bei Regen“.

Wer hätte gedacht, dass meine größte Lehrmeisterin gerade einmal 4,5 Kilo wiegt.

PS: In meinem Buch habe ich ja angekündigt, eines Tages dem Arzt zu schreiben, der mir damals fast alle Hoffnung nahm. Die Geburtsurkunde liegt schon bereit…

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