Guter Umgang mit schlechten Diagnosen
Alles auf Null. Willkommen im tiefen Tal.

Alles auf Null. Willkommen im tiefen Tal.

Nachdem ich nicht nur voller Hoffnung und Vorfreude auf die neueste Studie für ein Gegenmittel war, schreibe ich diese Zeilen jetzt sehr zerstört vom Krankenhausbett.

Es hat nicht sollen sein

Nur zwei Tage vor der Abreise zu den Voruntersuchungen bin ich einfach bei einer normalen Bewegung in der Wohnung so schief auf mein Fußgelenk getreten, dass ich mir dieses mehrfach kompliziert gebrochen habe, wie auch den Ansatz des Schienbeins und natürlich sämtliche Bänder durchgerissen sind.

Man kann sehr tief fallen

Ich habe mich, als ich aus dem Delirium meiner Narkose wieder erwacht bin, so mies gefühlt, wie noch nie. Jetzt war ich so nah an der Hoffnung und dann das. Ohne, dass ich den Unfall irgendwie für mich einordnen kann. Ich bin kein Risiko eingegangen, war nicht übermütig, war nicht in Eile, war nicht leichtsinnig. Einfach Pech. Kann es wirklich so einfach sein? Ich bin ein großer Gegner der Frage „Warum ich?“ Aber dieses Mal konnte ich mich ihrer nicht erwehren.

Eine hilfreiche Übung

Erst einmal habe ich drei Tage lang fast nur geheult. Nicht unmittelbar hilfreich, aber es musste halt raus. Meine Familie und meine Freunde haben mich großartig abgelenkt, aber irgendwann ist man wieder alleine auf dem Zimmer. Danach habe ich zaghaft angefangen mich mit den Übungen wieder aus dem Loch zu holen, die ich über Mentaltraining und psychologische Beratung bekommen hatte und habe zwei davon kombiniert.

Zwei Seiten

Ich nehme dazu zwei DIN A4 Seiten. Auf die linke schreibe ich wie in ein Tagebuch die Emotionen, die gerade raus müssen. Auf die rechte Seite schreibe ich das auf, wofür ich dankbar bin. Beides alleine geht für mich in solchen Situationen nicht. Tagebuchschreiben alleine zieht mich in solchen Situationen runter und Dankbarkeit empfinde ich jetzt so direkt auch nicht. Zusammen aber geht das ganz gut, auch wenn ich mich oft erst mal zwingen muss.

Das sieht dann zum Beispiel so aus:

Links: „Ich mache mir Sorgen, dass mein einer Fuß nicht schnell wieder fit wird.“ – Rechts: „Der andere Fuß ist fit, danke!“

Links: „Ich hasse es, von meiner Frau und unserer Tochter getrennt zu sein und das macht mich wahnsinnig traurig“ – Rechts: „Ich habe eine Traumfrau geheiratet und ein pures Geschenk als Kind, danke!“

Links: „Ich habe das Gefühl, ich lasse mein Team im Stich.“ – Rechts: „Ich habe großartige Kolleginnen und Kollegen, die mir die Zeit verschaffen, die ich brauche, danke!“

Ja, das klingt etwas kitschig, ich weiß, aber es holte mich ganz gut wieder aus dem Loch heraus.

Die Lektion daraus?

Es MUSS einen Grund geben, warum ich das hier durchmachen musste, davon bin ich überzeugt. Was das aber sein soll? Was weiß ich. Ich hatte weder neue Ideen für Bücher, oder Vorträge, habe keine alles verändernde Erkenntnisse gehabt, ich habe einfach sehr viel Netflix geschaut.

 

 

4 Responses to Alles auf Null. Willkommen im tiefen Tal.

  1. Marie Nowak sagt:

    Lieber Hendrik,
    wie du schon so schön schreibst, es muss einen Grund haben – den hat es, so wie alles im Leben, auch wenn es nicht immer sofort ersichtlich ist, was dieser Grund sein soll.
    So beschissen diese Situation scheinen mag, bleib stark und konzentrier dich mit positiver Energie auf die Genesung.
    Alles Gute und bis bald,
    Marie

  2. Kirsten sagt:

    Hallo Hendrik,
    Ehrlich gesagt bin ich grade geschockt das von dir zu lesen! Ich wünsche dir gute Besserung, schnelle Genesung und viel Kraft! Ich drücke dich, deine alte Sandkastenfreundin Kirsten!

    • Kirsten sagt:

      Und mach weiter so! Versuche positiv zu bleiben und zu kämpfen! Wie du schon geschrieben hast in Gegenargumente…vielleicht gibt es das Mittel bald schon so auf dem Markt!

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