Guter Umgang mit schlechten Diagnosen
Meine Krankenhaus-Lektionen

Meine Krankenhaus-Lektionen

Nach meinem sehr schmerzhaften Sturz in den eigenen vier Wänden musste ich die vergangenen zwei Wochen im Krankenhaus liegen, da mein Fuß gleich operiert werden musste. Diese Wochen waren eher geprägt von Trauer, Wut und Lethargie. Trotzdem nehme ich für mich auch interessante Erkenntnisse mit.

Wut bringt’s nicht

Ich lag die ersten Tage neben Rentner Paul*, durch den ich viele Verben üben konnte: Röcheln, schnarchen, grunzen, schmatzen, stöhnen, wimmern und murmeln.
Als ich einmal wieder nachts wütend meine Ohropax in die Ohren prokelte, um wenigstens ein paar Momente Ruhe zu haben, wünschte ich mir, er möge doch einfach verstummen. Aber dann erschrak ich fürchterlich darüber. Das würde ja bedeuten, dass er gar nicht mehr atmet. Das wünschte ich ihm natürlich nicht. Ohne Wut schlief ich dann auch deutlich besser. Wenn auch nicht tief. Die Wut gegen das Leben im allgemeinen und mein Schicksal im besonderen habe ich immer direkt abgewürgt. Was ändert’s?

Nicht (ver-)urteilen

Die nächsten Tage kam dann Claus* in mein Zimmer, dessen Laune teilweise so mies war, das Oskar aus der Mülltonne dagegen echt eine Spaßkanone ist. Er war unmöglich gegenüber den Pflegekräften, gegenüber denen, die das Essen bringen und denen, die die Zimmer reinigen.
Irgendwann kamen wir dann ins Gespräch, das für mich sein Bild von ihm veränderte. Ich fragte ihn, was er denn so macht im Leben. „Ich bin einfach ein schlechter Mensch und schleppe mich von Tag zu Tag.“ Ich widersprach, dass das sicherlich nicht stimme. Seine Augen wurden feucht und die Stimme brach. Er hatte erst seinen Sohn verloren, als dieser 23 war und dann seine Frau an Weihnachten (Krebs). – Dann wäre ich auch Oskar aus der Mülltonne. Ab dann konnte ich seine Laune einordnen und fand es nicht mehr so schlimm. – Man sollte wirklich nie jemanden verurteilen. Jedes noch so seltsam anmutende Verhalten hat seine Auslöser und jeder Mensch geht seinen eigenen Weg. Mannomann, was für ein Schicksal.

Ich muss mich meiner Stimmung nicht ergeben

Das waren wirklich zwei düstere Wochen, in denen ich wirklich kaum zu mir und zu positiven Gedanken gefunden habe. Keine Kreativität, keine Lust auf Tagebuch oder Meditation, gar nichts. Trotzdem habe ich irgendwann wieder angefangen mich meiner Laune zu widersetzen. Habe mir einen Espresso für den Kreislauf geholt, Sportübungen gemacht und aufbauende Hörbücher gehört. Schon besser, als Rumzuliegen und immer weiter in den traurigen Strudel zu kommen.

So, genug gejammert, ich mache jetzt (zumindest für den Oberkörper) wieder Sport und ich habe gerade gesehen: Am Dienstag ist die Hälfte der 6 Wochen Pause schon rum. Das krieg ich auch noch hin.

*der natürlich anders heißt

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