Guter Umgang mit schlechten Diagnosen

Es wird besser. (Oder?)

Jetzt nehme ich die ersten Pillen gegen die Friedreich Ataxie seit Juni und selbstverständlich achte ich fast permanent auf mögliche Verbesserungen bei mir. Auch viele Menschen rund um mich müssen sich auf die Zunge beißen, weil sie täglich fragen wollen, ob es schon besser wird.

Die ersten Wochen

In der Tat hatte ich bereits nach etwa 10 Tagen kleinere Momente wie etwa ein „Hoppla, das Stehen/Gehen/Aufheben ging jetzt gerade leichter als sonst“. Von Außen war das noch nicht unbedingt sichtbar, doch immer wieder habe ich etwas gespürt.

Ups and Downs

Das war aber leider keine Entwicklung entlang einer Linie. Mal war es besser, mal nicht. Auch scheinen nicht alle Nahrungsergänzungen mit dem Mittel zu harmonieren. Ich musste recht aufwendig Vitamin B12 als Übeltäter aussortieren. Seit dem geht es wieder besser. Dennoch war ich ehrlich gesagt etwas desillusioniert, weil ich mir einen größeren Effekt erhofft hatte. Aber: Ich bin seit dem nur noch 1 Mal gestürzt. Gestolpert, geschwankt, ja ich weiß. Aber nicht mehr gestürzt. (Das eine Mal, wo ich einem rennenden Mann ausweichen musste, zählt eigentlich auch gar nicht).

Erster Blick und zweiter Blick

Das gestrige Training bei der Physiotherapie war dann ein Wendepunkt. Meine Physiotherapeutin wollte nichts hören von meinem „Einerseits“ und „Aber“… Sie winkte ab und sagte: „Schau mal auf deine Füße. Die sehen doch komplett anders aus! Viel entspannter!“ Dass der Körper dann erst mal sich neu justieren müsse bei den ganzen wieder eintretenden Informationen von den Füßen an das Gehirn, sei doch klar.

Anschließend war ein Mann in der Umkleide ganz begeistert: „Ich beobachte Sie jetzt schon eine ganze Zeit lang und so schnell sind Sie noch nie herumgeflizt! Ich freue mich so mit Ihnen, dass Sie gesund werden!“ (Moment, ich wische mir kurz die Freudentränen weg)

Körper und Geist

Ich merke, wie ich gerade meinen Geist mitnehmen muss auf der Reise meines Körpers in Richtung Gesundheit. Meine Haltung, mein Gang und die Art, wie ich meinen Tag plane, ist noch sehr geprägt von der Präsenz der Krankheit. Ich muss jetzt Raum lassen, dass mein Geist meinem Körper folgen kann.

Und dann geht der Geist wieder voran und zieht den Körper mit.

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