Guter Umgang mit schlechten Diagnosen
Dahin gehen (!), wo es wehtut

Dahin gehen (!), wo es wehtut

Mein Leben in Corontäne

Home Office ohne Weg zur Arbeit, ohne Treppensteigen im Büro, ohne Laufen zur Mittagspause, ohne Reisen – also mit viel weniger Reizen für mein Gehirn was Koordination und Gleichgewicht angeht – Das ist alles nicht ideal für mich mit Friedreich Ataxie. Ich habe schon angefangen mir High-Tech Hilfe zu holen.

Jaja, ich dachte, ich wäre ein toller Hecht. Bei Wind und Wetter mache ich morgens eine Stunde Sport. Diese Disziplin ist schon mal nicht falsch. Dabei mache ich mit Gewichtsweste Kniebeugen, gehe im Keller auf das Rudergerät, mache Liegestütze, oder hänge mich an die Klimmzugstange. Sieht von Weitem alles nach einem tollen Hecht aus.

Aber meine Frau hat genauer hingesehen und den Finger genau in die Wunde gelegt: „Solltest du nicht eigentlich … gehen üben?“

Ich war entsetzt. Wollte sie etwa damit sagen, dass all dieser Sport sinnlos ist? Natürlich nicht.

Was fehlt

Aber es ist nun mal auch nicht das, was wirklich „weh tut“, im Sinne von unangenehm, aber notwendig sein.

Ich habe also einmal sehr tief geseufzt und mir dann vorgenommen, eine neue Routine zu entwickeln, jeden Morgen eine kleine Runde spazieren zu gehen. So richtig mit draußen und frischer Luft und so! Denn da liegt die Heilung eher.

Kleine Schritte

Und damit ich da auch keine großen Ausreden entwickle, mache ich die Hürde so klein wie möglich: Ich gehe keine halbe Stunde, ich gehe nicht mal einmal um den Block. Ich gehe einfach einmal zum gelben Briefkasten und wieder zurück.

Das sind nur ein paar hundert Meter, aber wen kümmert’s? Wichtig ist, dass sich die Routine als nicht verhandelbar einbrennt in mein Gehirn. Darum lieber die magische Grenze von 21 Tagen mit sehr kleinen, aber regelmäßigen Schritten überschreiten. Danach werde ich das schon noch ausbauen.

Wer den Gedanken für sich nachmachen möchte:

Vor welcher Routine läufst du weg, obwohl du weißt, dass sie dir gut tun würde? Mache einfach 21 Tage lang kleine Schritte in die Richtung, dann ist es etabliert.

4 Responses to Dahin gehen (!), wo es wehtut

  1. Dagmar Plönes sagt:

    Wann kommt der Nachwuchs!??!

    Oder ist er schon da.

    Toll was du so schreibst und machst.
    Ich weiß nur nicht ob mir das mut macht?!?lg Dagmar

  2. Dagmar Plönes sagt:

    Egal was ich mache, meine Ataxie geht weiter und weiter. Also andere nichts. Ich muss mich ändern.

    LG dagmar

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